Kurz gefasst
Die Verordnung (EU) 2025/2365 zur Vermeidung von Kunststoffpelletverlusten (PPLP — Pellet Loss Prevention) wurde am 12. November 2025 unterzeichnet und am 26. November 2025 veröffentlicht. Ziel: Reduzierung der Mikroplastikemissionen an der Quelle. Ausgewählte Vorschriften gelten seit dem 16. Dezember 2025, die vollständigen Anforderungen ab ca. Dezember 2027. Versender und Transporteure von Granulaten aus PE, PP, PET, ABS, PS und anderen Kunststoffen stehen vor der Pflicht, Risikomanagementpläne, Handling-Verfahren und Schulungen einzuführen und — bei einem Umschlag von mehr als 1500 Tonnen/Jahr — eine unabhängige Zertifizierung zu erlangen.
Hintergrund: woher die Verordnung kommt
Kunststoffpellets (Granulate) sind ein Halbzeug — der Rohstoff für die Kunststoffverarbeitung. EU-weit werden jährlich Dutzende Millionen Tonnen dieser Pellets bewegt: zwischen Harzherstellern, Recyclern, Verarbeitungsbetrieben und Zwischenlagern. Jede dieser Etappen — Beladung, Transport, Umschlag, Entladung — ist ein potenzieller Leckagepunkt.
Schätzungen der Europäischen Kommission: jährlich gelangen in der EU 52.000–184.000 Tonnen Pellets in die Umwelt, hauptsächlich aus Häfen, Lagern und Handling-Prozessen. Pellets im Meer, in Flüssen und im Boden sind eine Quelle von Mikroplastik, das sich nicht zersetzt und Toxine konzentriert.
Freiwillige Programme (Operation Clean Sweep — seit 1991) erreichten keine ausreichende Wirkung. Die Kommission schlug 2023 eine verbindliche Verordnung vor, der Rat billigte sie 2025, sie trat Ende 2025 in Kraft.
Drei Schwellenwerte: 5 / 1500 / Nicht-EU-Carrier
Die Verordnung differenziert die Pflichten nach Größenordnung:
Schwellenwert 5 Tonnen/Jahr — Minimum für die grundlegenden Pflichten:
- Identifikation der Leckage-Risikopunkte
- Handling- und Transportverfahren
- Personalschulungen
- Dokumentation von Ereignissen (jeder Verschüttungsvorfall)
Schwellenwert 1500 Tonnen/Jahr — zusätzlich:
- Konformitätszertifikat, ausgestellt von einer unabhängigen dritten Partei
- Audit des vollständigen Risikomanagementplans
- Jährliche Ergebnisberichte an die Aufsichtsbehörde
Nicht-EU-Transporteure, die durch EU-Gewässer transportieren — separate Anforderungen für den Seetransport: Verpackungen erhöhter Qualität, Container unter Deck oder an geschützten Stellen verstaut, sofern möglich, Meldung über Bord verlorener Container (IMO-Anforderung ab 1. Januar 2026).
Was die Verordnung im Silotransport ändert
Die PPLP legt dem Siloauflieger-Transportunternehmer vier Hauptgruppen von Pflichten auf:
1. Integrität der Verpackungen und Kammern Vor der Beladung prüft der Transportunternehmer die Dichtheit des Siloaufliegers: Integrität der Domdeckel, Dichtungen, Flanschverbindungen, Entladeventile. Die Kammern müssen sauber sein — ohne Rückstände des vorherigen Materials, die die Ladung kontaminieren und später bei der Entladung verschüttet werden könnten.
2. Belade- und Entladeverfahren Beladung unter Aufsicht des Operators; nach Abschluss des Zyklus — Sichtkontrolle des Beladeorts auf verschüttete Pellets. Entladung mit analogem Verfahren: Schließen der Rampen, Reinigung der Enden der Transferschläuche, Kontrolle nach Abschluss des Zyklus.
3. Bordausrüstung Jeder Siloauflieger, der Pellets transportiert, muss Ausrüstung zum Auffangen einer eventuellen Verschüttung haben: Schaufeln, Beutel, Bürsten, Sammelbehälter. Diese Ausrüstung unterliegt der Kontrolle durch die Aufsichtsbehörde.
4. Risikomanagementplan und Dokumentation Jeder Zyklus Beladung → Transport → Entladung wird dokumentiert. Verschüttungsvorfälle werden sofort gemeldet. Der Risikomanagementplan wird zyklisch aktualisiert (typisch jährlich) und bei der Zertifizierung auditiert.
Drei Akteurstypen, die es direkt trifft
Harz-/Rezyklathersteller (z. B. petrochemische Werke, Recycler) — fast immer vollständige Zertifizierung, weil der Umschlag 1500 Tonnen/Jahr überschreitet.
Granulat-Distributoren/Händler — je nach Größenordnung. Zwischenhändler mit >5 Tonnen/Jahr unterliegen den Grundpflichten, größere Firmen — vollständige Zertifizierung.
Spezialisierte Transportunternehmen (wie PHS Magnum) — Flotte mit >1500 Tonnen transportierten Granulats jährlich = Zertifizierungspflicht. Kleinere Gelegenheitstransporteure — grundlegende Handling-Pflichten.
Umsetzungszeitplan
| Datum | Was in Kraft tritt |
|---|---|
| 16.12.2025 | Ausgewählte Vorschriften (Definitionen, allgemeine Grundsätze, Monitoring) |
| 01.01.2026 | Meldepflicht für den Verlust von Seecontainern (IMO) |
| ~12.2027 | Vollständige Anforderungen: Risikopläne, Verfahren, Ausrüstung, Zertifizierung |
| 2028 | Erste Jahresberichte an die Aufsichtsbehörden |
| 2030 | Vollständiges Sanktions- und Aufsichtssystem in den Mitgliedstaaten |
Nationale Umsetzung (Polen) — der Entwurf des Umsetzungsgesetzes ist in Vorbereitung; die Verabschiedung wird für 2026–2027 erwartet.
Was das in der Praxis für den Granulatversender bedeutet
Wenn Sie PE-, PP-, PET- oder ABS-Granulat per Silo versenden — verlangen Sie 2026 von Ihrem Transportunternehmen:
- Schriftliche Bestätigung der Implementierung von PPLP-Verfahren (bei Aufträgen ab Januar 2027 realistisch eine Vertragsanforderung)
- OCS-Zertifikat oder gleichwertig (bei Aufträgen über 1500 Tonnen jährlich mit einem Transportunternehmen)
- Sichtbare Bordausrüstung am Siloauflieger (Schaufeln, Sammelbeutel) — Sichtkontrolle vor der Beladung
- Sauberkeit der Kammern — Reinigungsprotokoll nach der vorherigen Ladung
- Zyklusdokumentation — Beladeprotokoll mit Foto des Orts nach dem Zyklus
Transportunternehmen, die die Anforderungen ab 2027 nicht erfüllen — werden von größeren Versendern von Ausschreibungen ausgeschlossen (Lieferketteneffekt), unabhängig vom Durchsetzungsniveau der staatlichen Behörden.
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Über den Autor
Der Inhalt wurde vom Team von PHS Magnum in Zusammenarbeit mit Aleksy Pasternak erstellt — Managing Partner des Unternehmens, Experte für Schüttguttransport mit 35 Jahren Erfahrung im Handel mit Kunststoffgranulaten, Rezyklaten und Industriemineralien in der EU. Aleksy veröffentlicht Branchenanalysen auf dem Expertenportal pasternak.me, wo Sie weitere Beiträge zu regulatorischen Themen (PPLP, PPWR, OCS), technischen Themen (Siloauflieger, TDT) und operativen Themen (Big-Bag-Umschlag, Konfektionierung) finden.

