Kurz gefasst
Die Verordnung (EU) 2024/1157 über die Verbringung von Abfällen führt ab November 2026 ein Exportverbot für Kunststoffabfälle in Nicht-OECD-Staaten ein. Ein Strom von 3–5 Mio. Tonnen jährlich muss innerhalb der EU verarbeitet werden. Konsequenzen für den Transport: Anstieg der Intra-EU-Transporte (zerkleinerter Abfall zu den Recyclern, Regranulat zu den Verpackungsherstellern), Veränderung des Routenprofils (weniger lange zu den Häfen, mehr mittlere zwischen den Werken), Prämie für Transporteure mit Chain-of-Custody-Zertifikaten (RecyClass, ISCC). Polen — als großer Importeur von Kunststoffabfällen aus der EU und Land mit entwickelter Recyclinginfrastruktur — steht im Zentrum der neuen Ordnung.
Was die Verordnung ändert
Die WSR in der bisherigen Fassung (Verordnung 1013/2006) regelt die Abfallverbringung seit 2007 — hauptsächlich Zustimmungsverfahren, Klassifizierungen (grüne/gelbe Liste), Verbote für bestimmte Abfalltypen in bestimmte Länder.
Die neue (EU) 2024/1157 führt drei strukturelle Änderungen ein:
Exportverbot für Kunststoffabfälle in Nicht-OECD-Länder ab dem 21. November 2026 — absolut, mit möglicher Ausnahmeregelung bis zu 5 Jahren für ausgewählte Länder, die einen Antrag stellen und die Kriterien der Abfallbewirtschaftung erfüllen.
Verstärkte Kontrolle des Exports in OECD-Länder — Erfordernis der schriftlichen Zustimmung des Empfängerstaats für jeden Transport (Verfahren der „vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung").
Digitalisierung der Verfahren — alle Meldungen von Abfalltransporten ab 2026–2027 obligatorisch elektronisch.
Größenordnung des Phänomens — wie viel Abfall in der EU bleibt
Die EU erzeugt ca. 25–30 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle jährlich. Vor der WSR-Reform:
- Recycling in der EU: ~10–12 Mio. Tonnen/Jahr
- Verbrennung mit Energierückgewinnung: ~10 Mio. Tonnen/Jahr
- Deponierung: ~3–5 Mio. Tonnen/Jahr (rückläufig)
- Export: ~3–5 Mio. Tonnen/Jahr (hauptsächlich in die Türkei, nach Vietnam, Malaysia)
Nach Inkrafttreten des Verbots muss der Exportstrom von der heimischen Infrastruktur „aufgesogen" werden. Drei Pfade:
- Zusätzliche 3–5 Mio. Tonnen/Jahr für das mechanische Recycling (erfordert den Ausbau von Sortier- und Waschanlagen)
- Ein Teil für das chemische Recycling (dynamisch wachsendes Segment 2025–2030)
- Ein Teil für die energetische Verwertung (wenn physisch nicht recycelbar)
Jeder dieser Pfade = neue Tonnenkilometer Transport innerhalb der EU.
Drei neue Transportsegmente, die wachsen werden
Segment 1: Sortierter Abfall vom Entstehungsort zum Recycler
Strom: Sortieranlage → mechanischer oder chemischer Recycler. Material: PET-Flakes, HDPE-Flakes, PP-Regrind — also bereits zerkleinerter, farblich und polymerspezifisch sortierter Abfall.
Transportart: Abfall-Absetzcontainer, Walking Floor, in kleinerem Umfang Siloauflieger (für bereits rieselfähig granulierte Materialien).
Distanz: 200–800 km — hauptsächlich innerhalb der Länder, aber ein wachsendes grenzüberschreitendes Segment (Polen→DE, Tschechien→DE).
Segment 2: Rezyklat (Regranulat) vom Recycler zum Verpackungshersteller
Strom: Recycler → Hersteller von Flaschen/Folien/Kisten. Material: R-PET-Pellets, R-HDPE-Pellets, R-PP-Pellets — vollwertiges Regranulat mit definierter technischer Spezifikation.
Transportart: pneumatischer Siloauflieger — genau wie bei Virgin-Material.
Distanz: 100–1000 km. PHS Magnum mit Standort Chorula (4 km von der A4, 180 km von der deutschen Grenze) — in natürlicher Transitlage für die Routen PL→DACH.
Segment 3: Spezialabfälle für das chemische Recycling
Strom: Sortieranlagen für gemischten Kunststoff → Pyrolyse-/Glykolyse-/Depolymerisationsanlagen. Material: gemischte Polyolefinfolien, zur Depolymerisation bestimmtes PET.
Transportart: Container, in ausgewählten Fällen Siloauflieger für zerkleinerte Materialien.
Distanz: 300–1500 km — sehr lange Fahrten, weil die Anlagen des chemischen Recyclings dünn gesät sind (Deutschland, Österreich, Niederlande).
Veränderung des Routenprofils nach November 2026
Vorher: erheblicher Abfallverkehr aus dem Inneren der EU (Sortieranlagen in PL, IT, ES) → Containerhäfen (Rotterdam, Hamburg, Antwerpen) → Schiffe nach Asien.
Nachher: Dieser Verkehr verschwindet. Ersetzt durch:
- Kürzere Routen Sortieranlage → nationaler Recycler (200–500 km)
- Mittlere Routen Recycler → Verpackungshersteller in einem anderen EU-Land (500–800 km)
- Einzelne lange Routen Spezialabfälle → chemischer Recycler in DE/AT/NL (1000–1500 km)
Insgesamt: Die Zahl der Tonnenkilometer in der EU steigt, aber das Profil der einzelnen Fahrt wird kürzer. Kürzere Fahrten = höhere Rotation, größere Bedeutung von Intra-EU-Routen wie Polen↔DACH.
Polen — die Position in der neuen Ordnung
Polen:
- Platz 2 in der EU beim importierten Kunststoffabfall (nach Deutschland) — vor dem Verbot
- Entwickelte Infrastruktur des mechanischen Recyclings (PCC, BoryszewERG, Plastics Recyclers Poland, regionale Recyclerbasis)
- Wachsende Basis des chemischen Recyclings (Anwil, 2024–2026 gestartete Projekte von BASF und LyondellBasell)
- Geografie: 180–300 km zu den meisten Abnehmerwerken in DE/AT/CZ
Fazit: Polen wird nach November 2026 zum Hauptlieferanten von Regranulat für den DACH-Raum. Der Transport per Siloauflieger zwischen Polen und Deutschland/Österreich/Tschechien — das Segment mit der höchsten Wachstumsdynamik der Branche.
Was zu planen ist — für Versender und Transporteure
Für Versender (Verpackungshersteller, Lebensmittelbranche, Distributoren)
- Beginnen Sie Gespräche mit Rezyklatlieferanten in der EU — die Lieferkette wird kürzer, aber die Preise steigen mit der PPWR-Nachfrage
- Legen Sie Ihre Präferenzen fest: Möchten Sie Rezyklat konkreter Herkunft (z. B. PL mit RecyClass-Zertifikat)?
- Sichern Sie sich die Partnerschaft mit einem zertifizierten Transporteur (OCS, RecyClass) — ab 2027 wird das eine Prämie sein
Für Transporteure
- Führen Sie die OCS-Zertifizierung ein (ab 2027 bei einem Umschlag >1500 Tonnen/Jahr erforderlich)
- Führen Sie RecyClass / ISCC PLUS ein (Lieferkettenverfolgung von Rezyklaten)
- Dedizieren Sie einen Teil der Flotte für Food-Grade (das am höchsten bewertete Segment)
- Bauen Sie Beziehungen zu Recyclern und Verpackungsherstellern im DACH-Raum auf
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Über den Autor
Der Inhalt wurde vom Team von PHS Magnum in Zusammenarbeit mit Aleksy Pasternak erstellt — Managing Partner des Unternehmens, Experte für Schüttguttransport mit 35 Jahren Erfahrung im Handel mit Kunststoffgranulaten, Rezyklaten und Industriemineralien in der EU. Aleksy veröffentlicht Branchenanalysen auf dem Expertenportal pasternak.me , wo Sie weitere Beiträge zu regulatorischen (PPLP, PPWR, OCS), technischen (Siloauflieger, TDT) und operativen Themen (Big-Bag-Umschlag, Konfektionierung) finden.

