Kurz gefasst
Der Risk Management Plan (RMP) ist das Pflichtdokument für jeden Operator, der gemäß der Verordnung (EU) 2025/2365 (PPLP) mehr als 5 Tonnen Kunststoffpellets jährlich umschlägt. Ab der Schwelle >1500 Tonnen/Jahr ist eine unabhängige Konformitätszertifizierung erforderlich (Operation Clean Sweep Europe). Das Dokument identifiziert die Verlustrisikopunkte in jeder Betriebsetappe (Beladung, Transport, Lager, Entladung, Reinigung), beschreibt Kontrollverfahren, Personalschulungen und das Ereignisberichtssystem. Umsetzungsdauer: 6–12 Monate je nach Ausgangsbasis. Aktualisierung: jährlich und bei jeder wesentlichen Betriebsänderung.
Struktur eines Standard-RMP
Ein vollständiger, PPLP- und OCS-Europe-konformer Risk Management Plan enthält sieben Kapitel:
1. Geltungsbereich und Politik
- Identifikation des Unternehmens und der vom Plan erfassten Standorte
- Politik zum Management von Pelletverlusten (Erklärung der Geschäftsleitung)
- Verantwortlichkeit (Personen und Funktionen, wer wofür zuständig ist)
- Interne und externe Kommunikation
2. Gefahrenidentifikation
Vollständige Prozesslandkarte des Unternehmens mit Identifikation der Verlustrisikopunkte (VRP). Für einen typischen Silospediteur:
Punkt 1: Beladung beim Versender
- Beladerohr wird vom Siloauflieger getrennt → Pelletreste fallen herab
- Oberer Domdeckel unzureichend geschlossen → Verlust unterwegs
- Entladeventil undicht → Verlust unterwegs
- Der Operator des Versenders bemerkt Verschüttungen um den Siloauflieger nicht
Punkt 2: Transport unterwegs
- Vibrationen lockern Ventile oder Domdeckel
- Erschütterungen (z. B. Schlaglöcher) pressen kleine Pelletmengen heraus
- Risse in den Belüftungspads
- Kollision, Unfall
Punkt 3: Entladung beim Empfänger
- Das Öffnen des Ventils erzeugt Luftfontänen — Pellets können sich in der Luft verbreiten
- Rohrverbindungen — Dichtheit
- Ladungsrest nach Abschluss der Entladung (einige Kilogramm in der Kammer)
Punkt 4: Reinigung des Siloaufliegers
- Ausblasen — Pellets werden als pneumatischer Abfall ausgeblasen
- Nassreinigung — im Wasser verbleiben Pellets
- Trocknung
Punkt 5: Lager (falls der Operator Pellets lagert)
- Im Transport beschädigte Big-Bags mit Pellets
- Öffnen eines Big-Bags im Lager — kleine Verschüttung
- Palettensäcke mit Pellets
Für jeden VRP: Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit (niedrig/mittel/hoch) × Schweregrad (kleine Verschüttungen / mittlere / große).
3. Betriebsverfahren
Für jeden VRP — ein detailliertes risikominderndes Verfahren. Beispiel für den Punkt „Beladung beim Versender":
VERFAHREN OP-001: Beladung des Siloaufliegers beim Versender
Ziel: Pelletverschüttungen beim Trennen des Beladerohrs verhindern.
Verantwortung: Fahrer des Siloaufliegers + Beladeoperator des Versenders.
Ausführung:
1. Vor der Beladung — Sichtkontrolle des Zustands des Siloaufliegers.
2. Nach dem Anschluss des Rohrs — Prüfung der Dichtheit der Klemme.
3. Beladung unter Aufsicht des Fahrers oder Operators.
4. Nach Abschluss der Beladung — Schließen der Ventile des Siloaufliegers.
5. Trennen des Beladerohrs mit Auffangschutz darunter.
6. Kontrolle des Bereichs unter dem Siloauflieger — Aufsammeln eventueller Verschüttungen.
7. Eintrag ins Zyklusregister.
Dokumentation: Reinheitszertifikat, CMR mit Fotografie, Registereintrag.
Für einen typischen Operator — 15–30 solcher Verfahren. Jedes nummeriert, mit Eigentümer (verantwortlicher Person) und Datum der letzten Aktualisierung gekennzeichnet.
4. Ausrüstung und Infrastruktur
Liste der Ausrüstung an jedem Standort und auf jedem Fahrzeug:
- Reinigungspunkte an den Beladezonen (Hochdruckreiniger, Wasserabscheider)
- Bordausrüstung auf den Siloaufliegern (Schaufeln, Säcke, Trichter, Gurte)
- Windschutz in Außenzonen (Sammelrinnen, Gitter)
- Beleuchtungssysteme (Sichtkontrolle bei Nacht)
Plus Kontroll- und Wartungsplan für jedes Element.
5. Personal und Schulungen
- Liste der Positionen mit Pellet-Umgang
- Schulungsanforderungen für jede Position (Inhalt, Frequenz, Wissensverifizierung)
- Schulungsregister (mit Daten, Namen, Unterschriften von Trainern und Teilnehmern)
- Einarbeitungsverfahren für neue Mitarbeiter (Mentoring 1–3 Monate)
Beispiel: Ein Siloauflieger-Fahrer muss eine Erstschulung absolvieren (8 h Theorie + 4 h Praxis) und jährlich eine Auffrischungsschulung (4 h). Prüfungstest — 80 % zum Bestehen erforderlich.
6. Ereignisberichtssystem
- Definition meldepflichtiger Ereignisse (jede Verschüttung ≥1 kg oder ≥100 Pellets)
- Meldeverfahren (vom Fahrer → Disponent → Koordinator Arbeitssicherheit → Geschäftsleitung)
- Meldefrist (typisch: unverzüglich an den Disponenten, elektronischer Bericht binnen 24 h)
- Berichtsarchiv (5–10 Jahre)
- Systemanalyse — zyklische Berichtsdurchsicht, Identifikation wiederkehrender Ursachen, Verfahrenskorrekturen
7. Überprüfung und kontinuierliche Verbesserung
- Frequenz der RMP-Überprüfung (typisch jährlich)
- Aktualisierungsverfahren des RMP
- Internes Audit (vierteljährlich oder halbjährlich)
- Externes Audit — OCS Europe (typisch alle 3 Jahre, mit jährlichen Überwachungsaudits)
- Leistungskennzahlen (KPI): Ereignisse/Jahr, verschüttete Pelletmenge/Jahr, Reaktionszeit, Schulungsteilnahme
Kritische Fehler im RMP — was der Auditor ablehnt
Aus der Erfahrung der ersten OCS-Europe-Audits (2025–2026):
1. RMP als Vorlage ohne Personalisierung Der Auditor erkennt schnell, dass das Dokument eine kopierte Vorlage ist — keine konkreten Standorte, keine konkreten Namen, keine konkreten Zahlen. Ergebnis: Abweichung, Nachbesserung erforderlich.
2. RMP ohne Bezug zur betrieblichen Realität Verfahren existieren auf dem Papier, aber wenn der Auditor das Objekt betritt — der Fahrer kennt die Verfahren nicht, die Ausrüstung fehlt, das Zyklusregister ist leer. Ergebnis: kritische Abweichung.
3. Fehlendes Schulungsregister Die Verfahren geben an, dass die Mitarbeiter geschult sind, aber es fehlt ein dokumentiertes Register. Der Auditor hat keine Verifizierungsgrundlage — Abweichung.
4. Fehlende Systemanalyse der Berichte Ereignisberichte werden archiviert, aber es fehlt die periodische Durchsicht mit Schlussfolgerungen. Der Auditor fragt: „Welche Schlüsse haben Sie aus den Berichten der letzten 12 Monate gezogen?" Antwort „keine" → Abweichung.
5. Unvollständige oder fehlende Bordausrüstung Das Audit umfasst oft die Kontrolle mehrerer Siloauflieger der Flotte. Fehlende Schaufeln, nicht verfügbare Säcke, unleserliche Anweisungen → Abweichung.
6. Zu langer Überprüfungszyklus des RMP „Aktualisierung alle 3–5 Jahre" erfüllt die PPLP-Anforderung nicht. OCS-Europe-Standard: mindestens jährlich + bei jeder wesentlichen Änderung.
Zeitplan der RMP-Umsetzung — Beispiel für einen Spediteur
Annahmen: Unternehmen mit ISO 9001 (DEKRA), 26 DAF-Zugmaschinen, 31 Siloauflieger, Granulatumschlag ~10–20 Tsd. Tonnen/Jahr (PHS Magnum).
| Monat | Maßnahmen |
|---|---|
| M1 | Entscheidung der Geschäftsleitung, Berufung des Umsetzungsteams |
| M2 | Prozesskartierung und VRP-Identifikation (Workshop mit Berater optional) |
| M3 | Erstellung der Betriebsverfahren für jeden VRP |
| M4 | Beschaffung fehlender Bordausrüstung (Schaufeln, Säcke für die ganze Flotte) |
| M5 | Schulung aller Fahrer (2-Wochen-Zyklus) |
| M6 | Schulungsregister, Zyklusregister, Ereignisberichtssystem |
| M7 | Internes Audit |
| M8 | Korrekturen auf Basis des internen Audits |
| M9 | Pre-Audit durch externen Berater |
| M10–11 | Korrekturen auf Basis des Pre-Audits |
| M12 | Zertifizierungsaudit OCS Europe |
| M13+ | Zyklische Überwachungsaudits (jährlich) |
12 Monate Umsetzungsdauer = realistisch für ein Unternehmen mit ISO-9001-Baseline. Ohne ISO — 15–18 Monate.
Was PHS Magnum Granulatversendern bietet
Für Granulatversender, die einen für die PPLP-Ära gerüsteten Spediteur suchen:
- ISO 9001:2015 (DEKRA, Zertifikat aktuell) als Basis des Qualitätsmanagementsystems
- Risk-Management-Plan-Verfahren in Umsetzung gemäß PPLP und OCS Europe
- Bordausrüstung auf jedem Siloauflieger (Schaufeln, Säcke, Trichter)
- Fahrerschulungen zu den PPLP-Verfahren (seit 2025)
- Zyklusregister-System — Dokumentation jeder Beladung, jedes Transports, jeder Entladung
- OCS-Europe-Zertifizierung läuft — Termin des ersten Audits Q3–Q4 2026
Den Zertifizierungsstatus teilen wir auf Anfrage des Vertragspartners mit: biuro@magnumchorula.pl , +48 602 716 551.
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Über den Autor
Den Inhalt hat das Team von PHS Magnum in Zusammenarbeit mit Aleksy Pasternak erarbeitet — Managing Partner des Unternehmens, Experte für Schüttguttransport mit 35 Jahren Erfahrung im Handel mit Kunststoffgranulaten, Rezyklaten und Industriemineralien in der EU. Aleksy veröffentlicht Branchenanalysen auf dem Expertenportal pasternak.me , wo Sie weitere Ausarbeitungen zu regulatorischen (PPLP, PPWR, OCS), technischen (Siloauflieger, TDT) und operativen Themen (Big-Bag-Umschlag, Konfektionierung) finden.

